Bei Zupfinstrumenten bezeichnet man die "schwingende" Saitenlänge, sozusagen die Entfernung zwischen Obersattel und Stegeinlage, als Mensur. Mittels einer rechnerischen Konstanten ist dieser Abstand in einzelne Abschnitte unterteilt, welche durch die Bundstäbchen markiert sind.
Es würde hier zu weit führen näher auf die Entwicklung und Ableitung dieser Formel einzugehen, deshalb sei es für den Interessierten nur kurz an einem Beispiel erläutert: Dividiert man 650 (wohl "die" Gitarrenmensur) durch 1,059463 erhält man den Wert 613,51835, welcher den Abstand vom ersten Bund zur Stegeinlage definiert - so kann man fortfahren und beliebig viele Bünde berechnen, bis man an die "natürlichen Grenzen", also Größe der Fingerkuppen und Breite der Bundstäbchen, stößt. Die Hälfte der Mensur definiert die erste Oktave, ein Viertel die zweite,und so weiter. Gewappnet mit diesem theoretischen Wissen und einem Bandmaß nehmen wir uns nun die eigene Konzertgitarre vor: Obersattel bis 12. Bund - 325 mm, 12. Bund bis Stegeinlage - 327 mm , da stimmt doch etwas nicht ? Stimmt doch! Alle obengenannten Zahlenspiele würden nur bei einem Saitendurchmesser von 0.000 mm gelten. Da unsere Saiten Platz zum Schwingen brauchen und deshalb der Abstand von der Saite zum Griffbrett in Richtung Stegeinlage immer größer wird, erhalten sie beim Greifen der Töne eine zusätzliche Spannung - und schon stimmt die Rechnung nicht mehr. Der Instrumentenbauer muß dies beim Aufleimen des Steges durch eine sogenannte Spannungszugabe kompensieren, d.h. der Steg wird 2 mm weiter hinten aufgeleimt (bei Nylonsaiten mit normaler Spannung, einer mittelhohen Saitenlage und 650iger Mensur). Die tatsächliche Mensur beträgt also 652 mm. Aber wozu das Ganze ? Da nahezu alle Instrumentenbauer um diese Zusammenhänge wissen und Griffbretter heutzutage auch oft maschinell eingeschnitten werden, liegt die Crux unsauberer Töne allzuoft bei abgespielten Saiten ! Kleine Verunreinigungen, Beschädigungen der Umwicklung und so weiter beeinträchtigen das Schwingungsverhalten nachhaltig. Läßt nun aber bei neuen Saiten die Oktavreinheit zu wünschen übrig, sollte man zunächst die entsprechende Saite tauschen - auch in unserer hochtechnisierten Zeit ist es nicht einfach, einen Nylonfaden oder Stahldraht herzustellen, der über seine gesamte Länge von oft mehreren tausend Metern eine absolut gleichmäßige Beschaffenheit aufweist. Übrigens kann man die Güte einer neu aufgezogenen Saite überprüfen, indem man sie zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt und beim Abfühlen der Saitenlänge auf Unregelmäßigkeiten wie z.B. Verdickungen und fühlbare Macken untersucht. Zupft man die Saite an, kann man schon beim bloßen Hinsehen erkennen ob die Saite über die gesamte Länge gleichmäßig schwingt oder ob sie an manchen Stellen "eiert und schlingert". Erst wenn dies alles nichts fruchtet , sollte man die Abstände Sattel beziehungsweise Sattelbund - 12. Bund und 12. Bund - Stegeinlage messen und vergleichen. Bei Konzertgitarren sollte letzteres Maß ca. 2 mm größer sein. Bei Stahlsaitengitarren kann dieser Wert von 2 mm im Diskant bis zu 6 mm bei der tiefen E-Saite betragen.