VON GITARREN & LÄUSEN
Keine Angst - hier geht es nicht um die unappetitlichen Zeitgenossen, die von Zeit zu Zeit die Köpfe ganzer Schulklassen bevoelkern, sondern um ein "gar possierliches Tierchen" Laccifer lacca oder auch Lackschildlausgenannt, welche in Suedostasien auf strauchartigen Baumarten, z.B. Akazien und Feigenbäumen, ihr Unwesen treibt. Wer sich von Pflanzensaft ernährt, hinterlässt auch etwas auf den Zweigen seiner "Weidebäume" - womit wir beim Thema waeren, denn die krustenartigen Ausscheidungen der Laccifer lacca werden gesammelt und zu Blaetter- oder Koernerschellack aufbereitet, welche in Alkohol gelöst zum edelsten gehören was man einer Holzoberfläche antun kann - eine Schellackpolitur. Im Gegensatz zu den meisten Hochglanzlackierungen, die im abtragenden Verfahren politiert werden d.h. eine große Zahl von Lackschichten wird aufgebracht und danach wieder abgeschliffen bis sich eine geschlossene, polierbare Fläche ergiebt, wird die Schellackpolitur aufgebaut: Mit einem Leinenballen wird der Schellack aufgetragen und gewissermassen in die Holzporen hineingerieben wodurch er poliert werden kann. So gut eine mit Schellack behandelte Instrumentendecke auch klingt, so empfindlich ist sie auch gegen Kratzer von Fingernägeln, Manschettenknöpfen und Plektren (?! - es ist unglaublich, was man auf Messen und Ausstellungen erleben kann) Noch eines: Eine gute Handpolitur ist eine Kunst, die nur wenige Instrumentenbauer beherrschen.
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