AKUSTIK GITARRE 3/99
HARMONISCH
ALBERT & MÜLLER S-3 CUTAWAY


Die Firma Albert & Müller vorzustellen ist, nachdem sie gleich zweimal den Deutschen Musikinstrumentenpreis (96 S1 Steelstring und 98 CL2 Konzertgitarre) abgeräumt hat, sicherlich müssig, aber Ehre, wem Ehre gebührt. Die Gitarrenbauer aus dem Taunus bieten neben einer ganzen Reihe an Standard-Instrumenten von der Mandoline bis hin zur Konzertgitarre einen vielfältigen Optionskatalog zur Massanfertigung auf den Kunden an.

Vom Halsprofil bis zum Cutaway kann der Auftraggeber sich ein Instrument auf die Hand bauen lassen. Die ausschliesslich in Handarbeit gefertigten Gitarren setzen bei Auftragserteilung allerdings eine Wartezeit von etwa einem halben Jahr voraus. Die S3 Steelstring ist mit ihrem schlichten, aber geschmackvollen Design das günstigste Cutaway- Modell des Herstellers und kostet in der vorliegenden Palisanderausführung wie auch in geflammten Ahorn 3400,-DM inkl. Etui.

KONSTRUKTION

Bei der S3 handelt es sich um ein Instrument mit grossem Korpusvolumen bei einer Zargentiefe von durchschnittlich 11 cm. Dunkler, schön gezeichneter ostindischer Palisander wurde für den zweigeteilten Boden und die Zargen verwendet. Ein weich gerundetes Cutaway erleichtert den Zugang zu den hohen Bünden. Mit hell kontrastierenden Ahornstreifen sind die Korpusränder eingebunden und auf der Deckenseite von einem dezenten Zierstreifen unterlegt. Die Decke aus schön gleichmässig gewachsener Sitkafichte wird von einem X-Bracing gestützt und trägt neben der schlichten Rosette aus zwei Herringbone Streifen einen Palisandersteg mit Knocheneinlage und Steckerchen aus Ivorid, einer Elfenbein - Nachahmung. Über einen grossen, aussen gut flach verrundeten angesetzten Halsfuss ist der Hals aus Switenia, einer Mahagoni verwandten Holzart, mit dem Korpus verbunden. Bestes Ebenholz zeichnet das mit einer schwungvollen Nase bis über das Schallloch gezogene Griffbrett aus und macht damit 22 schlanke und flache Bünde nutzbar. Instrumente mit einem erweiterten Tonraum sind nebenbei bemerkt eine der Spezialitäten von A&M. Mit einem kräftigen Stück Ebenholz in Griffbrettstärke ist übrigens auch der Halsfuss rückseitig abgeschlossen. Perfekte Abrichtung, saubere Entgradung und tadellose Politur der Bundierung dürfen bei A&M als Standard erwartet werden. Abalone Dots markieren die Spielpositionen am Griffbrett und auf der Sichtkante. Der Kopf trägt ein Palisanderfunier mit dem eingelegten Firmenlogo aus Abalone, ist angesetzt und mit exklusieven Präzisionsmechaniken von Schaller ausgestattet, deren Flügel, wie schon die Steckerchen, aus Ivorid gefertigt sind. Durch das Schallloch ist die Justierung des in den Hals eingelegten Stahlstabes möglich. Ein dünn und perfekt aufgetragener matter Lack auf Nitrobasis schützt das Instrument vor äusseren Einflüssen; gegen Aufpreis von 300,-DM ist auch eine hochglänzende Lackierung zu haben. Alle technischen Arbeiten sind tadellos und auf hohem Niveau ausgeführt.

SPIEL & KLANGEIGENSCHAFTEN

Ein nicht zu schmaler, aber gut geschnittener Hals mit einem abgeflachten D- Sharping bietet spontan problemfreies Spielvergnügen. Flach gelegt, dabei aber die Schwingungsfreiheit ohne Störgeräusche optimal erhaltend, ist die Saitenlage der S3 kaum besser einzustellen. Das tiefgezogene Cutaway macht auch den oberen Tonbereich bis zum hohen D zugänglich, und Lagenakkorde sind mit etwas Mühe noch im 15. Bund realisierbar. Mit der üppigen Zargentiefe und dem gehörigen Bauch hat man schon richtig was im Arm der dann auch beim Spiel im mittleren Register über dem Schallloch etwas hoch, Jumbo- typisch eben, zu liegen kommt. Spielt man dagegen mehr im Bereich zwischen Schallloch und Steg, so wird die Spielhaltung bequemer, da der Arm etwas tiefer auf der hinteren Rundung der Zarge aufliegt. Klanglich rückt sich zunächst der Bassbereich ins rechte Licht. Diesen enormen sonoren Tiefgang erreicht man eben doch nur mit einem grossen Korpusvolumen. Allerdings ist die Rechnung zu einfach, dass grosse Korpusvolumen zugleich auch grossen Ton entspreche. Das entsprechende Klangvolumen muss gezügelt und gestaltet werden, damit das gefürchtete Wummern ausbleibt, bei dem sich die Bässe überschlagen und jeden Ausgleich mit dem restlichen Frequenzbild verhindern. Dazu ist es nötig, der Bassentfaltung eine straffe Kontur und präzise Artikulation beizugeben. Diese Aufgaben sind von A&M souverän gemeistert worden; die Bässe kommen tief und rund, aber dennoch definiert, besitzen die nötige dynamische Flexibilität und fügen sich ansonsten ohne Dominanz in das übrige, durchaus gleichwertige Klangbild. Dieses überzeugt mit einer glänzenden harmonischen Auflösung und buntem Obertontreiben. Trotz der Kraft und der gehörigen Lautstärke denn bei der Korpusgrösse wird eine ganz ordentliche Luftsäule in Bewegung versetzt zeigt die S3 eine lebendige Leichtigkeit und Eleganz, die den Dicken in der Regel rundweg abgesprochen wird. Ein gesundes Sustain lässt sich mit fast gleichmässigem Schwingverhalten über das gesammte Griffbrett erzielen. Der schwächste Ton im Bassbereich ist eigenartiger Weise das Oktav E im 12. Bund. Der Diskant singt durch bis zum hohen H im 19. Bund, allein die letzten drei Bünde sind etwas knapper angebunden. Einzelnoten im Melodiespiel besitzen eine gute Kraft und Festigkeit, fördern mit schnellem Reflex die Darstellung und reagieren auch auf grosse Dynamiksprünge gutmütig. Der Ton folgt also den Intentionen des Spielers in unterschiedlichen Stielistiken auf leichtem Fuss, und so soll es schliesslich auch sein.

FAZIT

Albert & Müller zeigen mit der S3 Cutaway, erneut eine erfreulich souveräne Arbeit. Der für ein Handgebautes Instrument aus guten massiven Tonhölzern in dieser Ausführung durchaus günstige Preis von 3400,-DM bietet neben leichter spielfördernder Handhabung ausgewogene Klangeigenschaften mit schönem sonorem, aber dennoch dynamisch reagierendem Bass und einen gut durchgezeichneten und harmonisch abgestimmten Mitten- und Höhenbereich. Obertonfarbigkeit und glattes Schwingverhalten eröffnet viele Einsatzmöglichkeiten. Der relativ breite und doch bequem spielbare Hals bietet genügend Raum für Pickings. Aber auch dem Plektrumspiel folgt das Instrument natürlich gut gelaunt, und das bemerkenswerte Sustain, auch und gerade in den hohen Positionen, birgt viel Substanz für das solistische Spiel. Die Verarbeitung ist rundum ohne Fehl und Tadel. Wer also den satten Jumbosound mag, der sollte einmal einen Blick in die Werkstatt in Aarbergen werfen, denn das könnte sich durchaus lohnen. Auch einige ausgewählte Fachhändler halten A&M- Kreationen zum Test und Verkauf bereit Den Service vor Ort zu haben und die Produzenten selbst in die Pflicht nehmen zu können ist, neben dem Zuschnitt auf die eigene Hand und die persönliche Stielistik, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Fazit: empfehlenswert!

Akustik Gitarre 3/99 von Franz Holtmann

Albert & Müller Home
ALBERT & MÜLLER * Alter Bahnhof * D- 65326 AARBERGEN * GERMANY
This Website Copyright 2002 by J.Albert, All Rights Reserved