|
Zum zweiten Mal ist der "Deutsche Musikinstrumentenpreis" in Frankfurt an die Gitarrenbauer Uli Albert und Toni Müller aus dem Taunus verliehen worden. Schon 1996 konnten A & M sich mit dem Steelstring-Modell S 1 (siehe Test in AG 2/96) gegen die Konkurrenz durchsetzen, und das ist ihnen nun mit einem Konzertmodell wieder geglückt.
Geglückt! Nun mit Glück hat das sicher nicht viel zu tun, denn das Verfahren zur Ermittlung der vom Bundeswirtschaftsministerium ausgelobten Trophäe läßt wenig Raum für Zufälligkeiten, wenngleich ein solcher Preis in seiner Konzeption sicherlich recht fragwürdig erscheint. Wie auch unsere Vergleichstests immer wieder verdeutlichen, könnte in derselben Gruppe möglicherweise ein anderes Instrument mit anderen klanglichen Eigenschaften unter anderen Musikerhänden zu ebenfalls herausragenden Ergebnissen geführt werden. Zu subjektiv ist die Auszeichnung der Klangqualität einer Gitarre, als daß auf seriöse Weise ein solcher "Testsieger" ermittelt werden könnte. Einmals ganz davon zu schweigen, daß ebenfalls hochwertige spanische oder japanische Gitarren und andere Fabrikate in dieser Ausschreibung erst gar nicht zugelassen werden! Nun gut, seit 1990 wird der Musikinstrumentenpreis für zwei unterschiedliche Instrumentengruppen vom Bundesministerium für Wirtschaft ausgeschrieben. Bewerben kann sich jeder deutsche Instrumentenbauer mit einem Serienmodell. In drei Stufen werden die eingereichten Instrumente bewertet und aus den Einzelergebnissen das Gesamtergebnis ermittelt. Neben einer Prüfung im "Labor für Musikalische Akustik" durch die Physikalisch- Technische Bundesanstalt in Braunschweig (sic!) auf allgemeine akustische Eigenschaften durchläuft der Kandidat zudem einen Testlauf im abgedunkelten Raum, in dem eine Reihe von namhaften Instrumentalisten in Einzelsitzungen die Probanden beurteilen. Zuletzt erfolgt eine handwerkliche Beurteilung der Verarbeitung des Instruments durch einen vereidigten Sachverständigen (uns ist allerdings nicht bekannt, in welcher Gitarrenfirma der dann wohl gelernt hat...).
Zum Test in Akustik Gitarre liegen nun das prämierte Instrument CL 2 und eine baugleiche, etwas später entstandene Gitarre vor. Vergleichend soll geprüft werden, ob es sich bei dem ausgezeichneten Instrument um ein besonders gelungenes Produkt handelt oder ob auch der Standard "preiswert" ist.
Die Firma
Seit 1984 betreiben Franz-Ulrich Albert und Antonius Müller ihre gemeinsame Werkstatt in Aarbergen zwischen Wiesbaden und Limburg. Inzwischen ist das Team um einen Mitarbeiter und einen Auszubildenden erweitert worden, das neben Konzertgitarren auch Mandolinen, Mandolen und Stahlsaitengitarren herstellt. Per Hand verarbeitet werden ausschließlich natürlich getrocknete, also lang gelagerte Massivhoelzer) mindestens sechs Jahre Werkstattlagerung). Neben funktionellem Design und guten Klangeigenschaften legen A & M vor allen Dingen Wert auf eine optimale Kundenorientierung, was sich in umfangreichen und zum Teil aufpreisfreien Optionsmöglichkeiten und fachkundiger Beratung ausdrueckt. Zur Zeit muß ein Interessent allerdings mit einer Lieferzeit von sechs bis acht Monaten rechnen.
Konstruktion
Das Produktionssegment Konzertgitarre umfaßt bei A & M vier Basismodelle, beginnend mit der preisgünstigen CL für 2.200,-- DM bis hin zum Spitzenmodell CL 4 fuer 6.800,-- DM (Preis jeweils incl. Etui). Die CL-2-Schwestern liegen mit 4.000,-- DM also im mittleren Preisniveau, werden in Dreier- oder Viererpartien gebaut und sind zunächst einmal genau das, was man sich unter einer Konzertgitarre eben vorstellt. Abgesehen, von der modelltypischen Schallochrosette fällt nichts in Auge, das sich von einer grundsätzlich konventionell gestalteten Gitarre unterscheidet. Bei beiden Instrumenten wurde gutes ostindisches Palisander von gleichmäßig gezeichneter Güte für den Boden und die Zargen verwendet. Die Decke aus kanadischer Zeder ist bei der prämierten CL 2 in einer leicht "gehaselten" Variante ausgefallen, während das Vergleichsmodell mit einer eng und parallel gemaserten Membran ausgestattet ist. Ebenfalls von guter Qualität ist das langfaserige Switenia, aus dem beide Haelse gearbeitet sind, und nichts anderes läßt sich von dem jeweiligen kräftigen Ebenholzgriffbrett sagen, das 19 akkurat eingesetzte und abgerichtete Bünde trägt. Die Kopfplatten sind mit einem von Ahorn unterlegten Palisanderfurnier belegt und mit leichtgängigen und gut arbeitenden Reischl-Mechaniken bestückt. Für die Stege wurde schönes Rio-Palisander verwendet, deren saitentragende Einlagen aus Bei wie auch die Saettel aus dem gleichen Material von Hand bearbeitet und perfekt abgestimmt wurden. Die Korpusräender und die Bodenfuge sind mit einem hellen Intarsienstreifen abgesetzt, während die Decke über einen vierlagigen Zierrand verfügt. Auch was das Innenleben angeht, gibt es eine weitgehende Übereinstimmung bei den Schwester- instrumenten: Deckenbeleistung aus Fichte, Deckenklötzchen, Bodenleisten und reifchen aus Switenia, schmaler Halsfuß. Lediglich in der Schallochunterbauung ist eine Differenz zu vermelden. Während das praemierte Instrument mit einer leichten Verstärkung des Schallochrands auskommt, ist bei dem Vergleichsmodell auf beiden Seiten eine flache Querleiste zur Stabilisierung des Schallochs verbaut. Beide Gitarren sind perfekt und rundum mit einem dünnen Lack auf Nitrocellulosebasis versiegelt. Insgesamt sind die Instrumente sehr solide und auf hohem Niveau gearbeitet.
Klang- und Spieleigenschaften
Den relativ breiten Hälsen der CL-2-Gitarren- wurde ein stark verrundetes D-Profil verpaßt, welches ein müheloses Greifen auch in den höheren Lagen dank einer flachen, aber nebengeräuschfreien Saitenlage möglich macht. Das jeweilige Halsstöckchen ist an der Spitze etwas scharfkantig ausgefallen, ansonsten kann allerdings eine durchweg angenehme Handhabung konstatiert werden, die beide Instrumente in einem kaum unterscheidbaren Zwillingscharakter vereint. In puncto Bespielbarkeit steht also das eine Instrument dem anderen nicht nach läßt sich das aber auch von den Klangergebnissen sagen? Beide Gitarren zeichnen sich zunächst durch einen straff und klar klingenden Baß aus, der frei und sonor ausschwingt und eine luftige Obertonstruktur aufweist. In diesem Bereich steht das Vergleichsinstrument dem ausgezeichneten nicht nach, und das spricht für die Reife der Konstruktion und die handwerkliche Konstanz. Der Diskant wie auch der allgemeine klangliche Charakter der preisgekroenten Gitarre ist allerdings etwas weicher und tiefer als der des Schwestermodells, das aber im hohen Tonbereich mit einer etwas längeren Ausschwingzeit kontert. Das Timbre ist allerdings grundsätzlich ähnlich; die klanglichen Differenzen bewegen sich in einem engen Rahmen, und es kostet schon Mühe, um im ständigen Wechsel zwischen den Instrumenten die Unterschiede mit spitzem Ohr herauszuhören. Beide Gitarren zeichnet ein offener, klar definierter und dabei direkter Ton aus, der eine transparente und lebhafte klangliche Abbildung ermöglicht. In schwesterlicher Eintracht teilen sich die Instrumente eine grundsolide Klangstruktur, die der Familie A & M Ehre und dem Spieler Freude macht.
Fazit
Die Albert & Müller Konzertgitarre CL 2 ist tatsächlich “ausgezeichnet” und dies nicht nur bei einem Einzelstück, wie das Vergleichsmodell eindrücklich bestätigt. Handwerklich betrachtet haben wir es zwar mit deiner konventionellen Konstruktion zu tun, aber bekanntlich sind die Meisterschaft des Gitarrenbauers und sein Gefühl für den Ton der entscheidende Punkt für die Klanggewinnung, und in diesem Sinne verstehen A & M ihr Geschäft. Der Verarbeitungsstandard ist gerade im Vergleich nicht nur erfreulich hoch, sondern zeichnet sich auch durch eine verläßliche Qualität aus, die dank solider Konstruktion nicht auf Zufälligkeiten gründet und dadurch für in Auftrag gegebene Gitarren ein entsprechend hohes Niveau garantiert. Im Klangbereich Baß ist bei den Schwesterinstrumenten eine hohe Übereinstimmung in der Tonentfaltung zu beobachten, die von schöner Klarheit, guter Kontur und farbiger Obertonstruktur gekennzeichnet ist. Im grundsätzlich offenen und freien Diskant sind geringe Unterschiede in der Klangfärbung und -entwicklung gegeben. Beide Gitarren lassen sich sehr gut spielen, und wem ein anderes Halsprofil, eine Fichtendecke oder eine bestimmte Mensur lieber ist, dem wird man beim Albert & Müller in Aarbergen gerne helfen, seine persönlichen Vorstellungen zu verwirklichen. Noch einmal soll aber betont werden, daß sich der Vergleich im Laden immer noch lohnt. Die persönlichen Klangvorlieben eines Musikers können eben nicht von Physikern gemessen werden.
von Franz Holtmann für AKUSTIK GITARRE
|
|
|